BLOOD OF THE BLACK OWL - Light the Fires

BLOOD OF THE BLACK OWL - Light the Fires
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Produktinformationen "BLOOD OF THE BLACK OWL - Light the Fires"

label: Glass Throat , US Import ; funeral doom combined with shamanistic ritual elements
"Letztlich bildet “Light The Fires!“ einen tief ins Schamanistische eingetauchten Folk ab, der von schwarzmetallischen Splittern überzogen ist..."

BLACK ONLINEmagazin review:
“Entfacht die Feuer”, jener Ruf der Rohan um Hilfe ersucht, betitelt die aktuelle Veröffentlichung BLOOD OF THE BLACK OWLs. Chet W. Scott schickt jedoch kein Unterstützungsansinnen an die benachbarte Kavallerie, vielmehr entflammen sich bei ihm jene Fackeln, die das Ritual starten. Sie fungieren als Lichtquell, illuminieren die Dunkelheit. Nun knistert, lodert und leuchtet jede Scott-Veröffentlichung in einem eigenen Widerschein. Die vom Soundschamanen entfachten Klangfeuerwerke durchzucken stets eine im Schatten liegende Welt, dort lodern und züngeln die Feuerspitzen nicht. Dort werden Funken in einen Dunkelforst geworfen, die für den Ausriss einer Sekunde einen Wald ausleuchten, in dem etwas schläft. Wie also sich zurechtfinden, wenn das eigentliche Unterholz mannshoch gewachsen ist, wie Pfade finden, wo Abseits die Regel ist, wo sich Verschlungenes und schwer Zugängliches ineinander verflochten haben? Eine Machete muss her! Eine, die geeignet ist, eine Bresche zu schlagen, damit Licht in den Tann fällt, ein Pfad entsteht, an dessen Eingang Scott ein Feuer entfacht. Was also taugt für die Lichtung dieses Gehölzes?

Verfolgt man den Weg des nahe Seattle Heimischen fällt auf, dass bei ihm Blickweite und Hörverständnis im besonderen Maße ausgeprägt sind. Seine Hinwendung zur Natur will nicht ein Geheimnis entreißen. Scott schließt sich dem Arkanen an, betrachtet Natur als das Gegebene. Frostscharf trennen sich seine Beobachtungen von denen vieler anderer. Das trennte einst ebenso den Rainer Maria Rilke von seiner Umwelt. Ihn prägte ebenso der Kontakt mit dem Arkanen, mit dem Wunderbaren. Im Falle des Pragers können diese Prägungen sowohl der verworrenen Liebe zu Lou Andres Salome einerseits und in der durch sie entdeckten Landschaft Russlands andererseits gesehen werden. Die faszinierende adlige Berufsmuse schrieb nach Rilkes Tod, dass bei ihm “… Leib und Mensch ununterscheidbar eins …“ gewesen sein. Vorher auf den gemeinsamen Reisen entstand u.a. Rilkes “Stunden-Buch“, jener Großstadt abgewandte – nein – feindliche Zyklus.

Heftige Ablehnung der Großstadt? Einheit von Leib und Mensch? Nun, Rilkes Strophen können auf einige Verse eingeschmolzen jenes Metall ergeben, aus dem sich die geeignete Machete schmieden lässt, um den eingangs beschriebenen Dunkelforst zu lichten. Zum Auftakt von “Light The Fires!“ ziehen aufgeraute Ambientpassagen auf, die immer wieder Samples von Naturgeräuschen mit sich tragen. “Die Dinge singen hör ich gern“, heißt es dazu bei Rilke. Ob nun im Fortgang des Durchlaufs Windgeheul oder Baumkronenrauschen zwischen die langen, zähen Fäden der Scott`schen Tonkunst furchen, hier hat die Umgebung Stimme. Das sich stetig verdichtende Soundgeflecht nimmt später Impulse akustischer Instrumente auf, ob nun die Flötenparts oder die Akustikgitarrenakkorde, oder die tribalistisch geschwungenen Rasseln – da schnarren Muster, hier brummt Chet W. Scott, dort heult der Wolf. Wird da nicht der Ruf des Bartkauzes imitiert? Wird jene Eule mit totemistischem Wert gerufen? Stets atmen die Sounds eine Großzügigkeit, die – natürlich in anderen Verwebungen – vom Prager einst mit “die stillen Kräfte prüfen ihre Breite“ beschrieben wurde. Daneben brummelt-grummelt Chet immer wieder seine Vocals, die mitunter auch in markerschütterende Schreie kippen, aufgesogen vom Dunkel des Fangorn, nachdem sie dort kurz zuvor durchgepeitscht sind. Allumschließend dreht sich der Klangwirbel um den Hörer und man kann ahnen, was der Prager Dichter einst mit “und ich bin dunkel und bin Wald“ meinte.

Überhaupt finden sich auf “Light The Fires!“ in der bekannten BLOOD OF THE BLACK OWL-Tradition keine Referenzen an zivilisatorische Errungenschaften, nichts was auf dem Album zu hören ist, äugt auf die nahe (oder ferne) Stadt, hier wohnt man keinem neoromantisch-inspirierten Spaziergang bei, hier findet sich eine Belassenheit, die mit ihrer Rigidität ein Zwillingspaar bildet, für das Zeit keinen Beschreibungshorizont darstellt. Spätestens dann, wenn die hervorgepressten Doom-Growls durch die eben noch verzückenden Landschaften preschen, merkt der Hörer, dass ein “in der Jetztzeit Heimatloser“ hinter all dem hier steckt. Einer, der in die grüne Hölle blickt, den das Gegebene zurück anschaut und ihn empfinden lässt, “(wir) … sehn einander dunkel an.“ Augennah und hautfremd sind die “Fernen voll deutsamer Figur“.

Doch dort, wo sich Rilkes lyrisches Ich in die lockenden Arme der Verzweiflung legte – “ihr bringt mir alle Dinge um“ wendet Scott der “wankenden Welt“ den Rücken zu. Er läuft dabei nicht mit im Heer derer, die Weltflucht als Accessoire verstehen, er flieht nicht, er wendet sich ab. Hier entsteht Haltung. Da hüpft kein Selbstergriffener mit dem Ironiefallschirm vom 3-Meter-Brett, hier gibt es nur die Optionen: Lass dich fallen oder lass es! Zyklisch schwelen seine Sounds an und ab, wie Jahreszeiten des Klanges ziehen sie vor dem Hörer auf. Seine Dronetransformationen passen sich darin ein, ohne je eingepresst zu wirken. Keiner, der “Ich sagt und irgendwen meint“, kein Durcheinandergehäufter. Eher einer, “der dem Ewigen entgegenschweigt.“

Letztlich bildet “Light The Fires!“ einen tief ins Schamanistische eingetauchten Folk ab, der von schwarzmetallischen Splittern überzogen ist. Ein Ausdruck, der das “Stirb und Werde“ des Röckeners in sich streng getaktet weiß. Fast so, als schlüge jemand in der Ferne einen riesigen, bronzenen Gong am Ende einer jeden Stunde an. Dazu blättert sich Rilkes “Stunden-Buch“ auf und dann heißt es: “Ich lebe mein Leben in wachsenen Ringen/ die sich über die Dinge ziehen./ Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,/ aber versuchen will ich ihn.“

(Zaun)

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