FEARTHAINNE - Knowing

FEARTHAINNE - Knowing
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label: Glass Throat, US Import, Digipack ; shamanic ritual folk from the Pacific Northwestern... mehr
Produktinformationen "FEARTHAINNE - Knowing"
label: Glass Throat, US Import, Digipack ;
shamanic ritual folk from the Pacific Northwestern

review BLACK Onlinemagazin:
Sich Abwenden von den Geschehnissen der Gegenwart – ein Widerstand, welcher sich auf den eigentlichen Wortsinn bezieht: gegen etwas stehen. Gegen die plastikversiegelten Horizonte. Gegen das virtuelle Dauergepose. Gegen das ständige Bildschirmflimmern. Im Dagegen erschöpft sich allerdings das, was via Glass Throat Recordings die Welt bereichert längst nicht. Neben der Ablehnung steht eine deutliche Fürsprache. Für eine Auflösung des Trennenden. Für ein Lernen, welches Erinnern heißt. Für ein Befreitsein. Den Soundtrack dazu liefern u.a. FEARTHAINNE mit ihrem neuen Album “Knowing“. Das Quartett um Gründer und Konstante Joshua Phillips weiß auch auf dem Zweitling zu begeistern. Bereits im Zeitraum von 2004 bis 2006 Zuhause aufgezeichnet, verzaubern die vier Amerikaner mit ihrem unikaten Folk neuerlich und werfen ihren Bann um den Hörer. Akustikgitarre, Drums, Violine und Hackbrett fanden Verwendung und weisen ein Ergebnis auf, welches berührende Melodien mit Hall und Schall zu umgürten weiß. Im atmosphärisch dichten und erdigen Klang und Vortrag offenbart sich eine Spielart des Folks aus dem Geiste des Black Metals. Auf der Textebene bleibt vieles im Ungefähren, verborgen im Dickicht des musikalischen Unterholzes. Tendenziell stellen sich Fragen nach der Rückbindung des in der Gegenwart zerschlagenen und beschädigten Menschen sowie nach einer authentischen Menschlichkeit. Die bisweilen tief vergrabenen Metaphern schwenken über in Analogien, gleichen Bewusstseinsströmen und schielen dennoch nie nach relativierenden Abschlüssen.

Dazu definieren sich die Spannungsbögen über das in beiden Stücken untergründig sprießende Klangwurzelwerk. Zartheit sucht man hier vergebens. Unterhalb der Bögen treibt ein Soundrhizom, zweigt an den Sprossknoten mal gen Akkord, mal gen Fläche, mal gen Flüster- oder Klargesang. Dabei bleibt immer sichtbar, dass die Rhizosphäre mehr umfasst als eine einfache subkulturelle Aktivität. Fast wirkt es, als treibt da ein Geflecht, um sich gegen die immer kleiner werdenden Horizonte anzustemmen, als könnte es aus der Erde schießen, ins Firmament wachsen und dort den Himmel dehnen. Doch stellt sich dies hier tatsächlich anders dar. Nur kleine Oberflächen des Geflechts haben sich durch den Waldboden gedrückt und ihr taubenetztes Schimmern bleibt lediglich ein heimliches Blendsignal der Erinnerung. Hier schwingt Distanz mit.

FEARTHAINNE sind keine Kapelle, an die ein Herantreten leicht wäre. Zuviel murmelt untergründig. Joshua, Lina, Johnny und Chet wandern im Klang umher, jedoch lassen sie keine Pfade, auf denen der Hörer ihnen bequem nachspazieren könnte. Hieraus schält sich eine große Stärke dieser Veröffentlichung. Sie wirkt aus der Entfernung umso mächtiger. Aus der Nähe – sofern überhaupt ein Herantreten möglich scheint – deckt sie zu. Erst aus der Distanz, die immer eine gute Ferne ist, erfährt man Einlass in den Hörraum, der sich am Lebendigen ausrichtet. Hier kann man eine Tiefe schauen, die beinah piktoral wirkt.

Inhaltlich und gedanklich finden Über- wie Unterbau ihre Entsprechung in der aufgeworfenen Frage: “Can we live again, after what`s been done?“ und die Option des “Rewilding“ summt da im Subtext als heimliche Antwort bereits mit. Diese Verwandlungsforderung geht mit der Ablehnung von Arbeitsteilung und Domestizierung einher. Die Metamorphosen, die innerhalb eines Lebens geschehen, sollen hier nicht in die Verminderung des Selbst ausweichen. Vielmehr bedarf es einer festen Absicht auf Ausdauer, um aus der grellbunt verkleisterten Gegenwart herauszufinden. Natürlich ist das fordernd. Anstrengend. Jedes Musizieren – jede künstlerische Betätigung – ist zuvorderst eine Selbstbefragungsbewegung.

Auf “Knowing“ erhält man keine Antworten und gleichzeitig werden Fragen gestellt, die nicht in die Welt geschrien werden müssen, um Wirkung zu entfalten. “Knowing“ zeigt, dass es noch Versprechen gibt, die Verheißung bedeuten. Hier konkret das Hoffen auf ein Ende der Einsamkeit. Jene Trennung, die aus dem täglichen Abnutzungsgefecht von Sein und Nichts resultiert. Indes wird der Kanal, auf dem der Hörer in die Veröffentlichung gelangt, ein anderer sein, als der, den Joshua und die Seinen benutzten. So kommt der Rezipient zwangsläufig woanders raus. Jedoch wird ihm unterwegs eine Möglichkeit des Schauens geboten. Und es nähme nicht Wunder, wenn mancher dann sagen würde: “Solch ein Anblick – der bot sich mir noch nie“. (S.L.)




label-info:
A "6x6” six panel deluxe gate fold CD

​ Fearthainne’s second release, entitled “Knowing,” is an unflinching inquiry into the ontological status of the human animal trapped in postmodernity, confined within civilization’s tangled web. A series of wonderings meant to initiate the wandering of the soul, this aural journey facilitates questioning and the freedom inherent in unburying truth. Querying, rather than surety, opens the door of our cage and gifts us gnosis. For, one cannot know who they are until they realize what it is they were meant to be.​

​Acoustic guitars, violin, drum, dulcimer, and
voice are the implements of this craft, as Fearthainne eschews the use of electrified tools. A textural passage through emotional sonic terrain, we clear a space for the unfolding of human majesty, in the process welcoming home the battered and bruised creature we are. We will never settle for the paucity and degradation of modern life, demanding instead the authentic humanness and depth that are our birthright. The unending dark of this epoch ushers in a new illumination, as through this night we discover the single answer to our question:
​“Can we live again after what’s been done?”
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